Dienstag, 26. Juni 2012

Pöt-pööööt


Fussballbegeisterung hat ihre speziellen Auswüchse, insbesondere in einem Land, das keinen Teilnehmer an einem Grossanlass stellt. Vor 2 Jahren durften wir in Südafrika nach dem richtig eidgenössisch erkämpften 1:0 gegen Spanien „Freude herrscht“ vermelden. Danach war Aus die Maus. Vor 4 Jahren in an der Euro im eigenen Land hatten wir eher wenig zu jubeln und nach dem unwichtigen dritten Gruppenspiel kam eigentlich wenig Freude auf. Zu spät…

Nun ist es so, dass wir in der Schweiz einen schönen Anteil an Italienern, Spaniern, Portugiesen und Deutschen haben. 18,9% der ständigen ausländischen Bevölkerung sind Italiener, 11,2% sind aus Portugal und Deutschland, 4,4% aus Spanien. Nicht enthalten sind hier die Eingebürgerten und in erster, zweiter und dritter Generation in der Schweiz lebenden. Man spricht im Amtsdeutsch von Migranten. 

Mit fortlaufender Dauer eines fussballerischen Grossanlasses nimmt auch die Feierbegeisterung der Fans dieser Länder zu und so ist nach jedem gewonnen Spiel in den kleineren und grösseren Städten stets ein mehr oder weniger ausuferndes pöt-pöööt in den Strassen zu vernehmen. Zuletzt (und völlig berechtigt...) war das in der Nacht vom Sonntag so, als Italien England im Penaltyschiessen bezwang.

Ich finde diese Art des Feierns, die Spanienfans übrigens versammeln sich jeweils auf dem Parkplatz des Hauptbahnhofes (ich weiss das, weil ich auch schon dabei war!), sympathisch! Hupende Autokorsi gehören irgendwie dazu zu einem grossen Fussballturnier. Allerdings gibt es immer Mitbürger, die sich immens darüber aufregen, seitenlange Leserbriefe in Zeitungen oder neumodischer kurze, stinkwütige SMS an die Redaktionen schreiben. Da sind wir dann wieder sehr schweizerisch. Ausser wir sind selber dabei und gewinnen. Natürlich! Aber das ist ja auch was ganz anderes. Plus: Das alles ist doch gesünder als bei jenem Chinesen, der nach 11 Tagen mit Euro-Guckerei in der Nacht und Arbeit am Tag an Erschöpfung starb.
Oder?

Übrigens: An der kommenden Olympiade nimmt auch ein Schweizer Team am Fussballturnier teil. Nur interessiert das eigentlich niemanden.

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