Sonntag, 1. Juli 2012

Campeones, Campeones...


Casillas, unbezwingbar im Finale!

Es ist vollbracht – und es ist der Wahnsinn. Die Spanier sind, wir wissen es seit gestern Nacht, unumstritten die Nr. 1 der Welt seit 4 Jahren. Und sie dürfen es noch 2 weitere bleiben. Wenn einem die Italiener auch leid tun konnten (vielleicht sind sie dieses Mal die Sieger der Herzen???), aber was Iniesta, Xavi, Silva & Co. gestern zauberten, war einfach ein absoluter Fussballhochgenuss.

Vielleicht 10, 15 Minuten in der ersten Halbzeit hatte man das Gefühl, das Italien an die brillante Leistung gegen Deutschland würde anknüpfen können. Doch so schnell das Gefühl kam, so schnell war es auch wieder vorbei. Dann das Pech mit den Auswechslungen nach der Pause (die Verletzung von Thiago Motta kaum stand er 3 Minuten auf dem Platz), das Bollwerk Chiellini nach 21 Minuten verletzt. Und zu zehnt gegen solche Spanier? Keine Chance! Nicht die Bohne.

Wer das Spiel der Spanier als langweilig empfand, der weiss nicht welche Qualität es braucht solchen Fussball zu spielen. Es ist ein Spiel, das den Gegner aufbraucht, der dem Ball ständig hinterher rennen muss. Ein geduldiges, technisch hochstehendes Spiel – und ein Spiel dem die Spanier treu bleiben, so oder so. Nur Italien, im ersten Gruppenspiel und Portugal in den ersten 90 Minuten des Halbfinals konnten mithalten. Deutschland scheiterte an sich selber und einem besseren Gegner. Holland scheiterte ebenfalls an sich selber, nur noch viel früher. Russland schaffte es wieder einmal nicht. Frankreich ist einfach noch nicht soweit. England fehlt es an spielerischer Klasse. Portugal war nahe dran. Italien ist zurück und man kann ihnen nur wünschen, dass sie sich von dieser Niederlage schnell wieder erholen.

Doch Spanien bleibt Spanien. Eben, Campeones.

Danke allen fürs Mitlesen und bis in zwei Jahren!

Finaltag


Um den geht es!

Spanien-Italien. Auf der einen Seite das erfahrene, erfolgreiche Team, die Furia Roja, Europameister 2008, Weltmeister 2010 und 2012? Ihr Tikitaka treibt einige Zuschauer zur Weissglut und den Gegner dazu, sich dermassen zu verausgaben (übrigens der Grund dieser Spielweise!), dass plötzlich der entscheidende Stich gesetzt wird.

Spanien regiert seit 4 Jahren die Fussballwelt. Ihr Fussball ist für andere Teams nicht nachzuahmen, weil sie nicht über das technisch geniale Spielermaterial verfügen. Ihr Finalgegner, Italien, hat ihnen im Gruppenspiel aber ganz hervorragend Paroli geboten, ähnlich wie es die Portugiesen im Halbfinal getan haben. Spanien ist also nicht unschlagbar, vor allem auch weil ihnen der Druck aufs Tor abgeht, der sie vor 4 Jahren ausgezeichnet hat. Auf der anderen Seite Italien, das ganz Europa mit flottem Offensivfussball überrascht hat und sich weitaus verdienter als an der WM 2006 ins Finale gespielt hat. Wichtig wird sein, dass sie ihre Torchancen nützen, die Italiener, eine Spitze mit Balotelli, ein offensiver Passgeber mit Cassano und vielleicht ein Pirlo in Topform, sollten, ja müssen dafür sorgen können. Spanien dürfte wohl wieder mit Fabregas ganz vorne, also ohne nominellen Stürmer, antreten.

Im Tor haben wir ein Duell der ganz Grossen: Casillas, vierfacher Welttorhüter und seit 2002 der absolute Rückhalt für Spanien und ein absoluter Sympathieträger. Buffon, der gran signore im Tor der Italiener, der mit famosen Leistungen den Azzuri das Weiterkommen ermöglicht hat.

Nur ein Land (plus ein paar Anhänger weltweit) wird am Ende jubeln, beiden ist es zu gönnen. Vielleicht liegt das Momentum bei den Italienern, dafür aber auch einiges mehr an Druck, denn plötzlich steht man im Finale, kann das vorher unmögliche geglaubte schaffen. Spanien andererseits muss nicht mehr, die dürfen einfach nochmals gewinnen.

Spruch des Tages: "Wir haben nicht gut gespielt und sind unverdient ausgeschieden." Marcel Jansen, unter Löw an 2 Grossanlässen dabei, im Sport 1 EM-Doppelpass.

Viel Spass beim Finale der Euro 2012!

Samstag, 30. Juni 2012

Statistiktag


Zwar ist sie noch nicht ganz vorbei, die Euro 2012, doch nehmen wir uns am Tag vor dem grossen Finalspiel kurz Zeit für ein paar interessante und aussagekräftige Statistiken (Quelle: uefa.com):

Schüsse aufs Tor:
1. Italien: 55 (11 pro Spiel)
2. Spanien: 49 (9.8)
3. Frankreich: 37 (9.25)

Ballbesitz gesamt:
1. Spanien: 60%
2. Russland: 56%
3. Deutschland: 56%

Erlittene Fouls:
1. Spanien: 18,6 pro Spiel
2. Italien: 16
3. Griechenland, Ukraine: 16

Begangene Fouls:
1. Koratien: 20,33 pro Spiel
2. Polen: 18,67
3. Tschechien: 18,5

Spieler: Versuche aufs Tor
1. Ronaldo: 15
2. Balotelli: 14
3. Iniesta: 13

Spieler: Begangene Fouls
1. Baros: 16
2. Balotelli: 14
3. Nani: 13

Spieler: Erlittene Fouls
1. Arbeloa: 17
2. Karagounis: 16
3. Lewandowski: 16

Spiele: die meisten Fouls
1. Portugal-Spanien: 52
2. Tschechien-Polen: 42
3. Friechenland-Tschechien: 40

Spiele: Angekommene Pässe
1. Spanien-Frankreich: 76%
2. Spanien-Irland: 76%
3. Dänemark-Deutschland: 76%


Donnerstag, 28. Juni 2012

Der Favorit ist tot, es lebe der... "Favorit"?


Wie kommt man ins Finale? a) entweder man schiesst Tore oder b) bekommt hinten keins rein. a) hat Italien erfüllt. b) Spanien auch.

Deutschland ist raus. Zum ersten Mal an dieser EM bekamen sie es mit einem Gegner zu tun, der zuerst das Tor schoss, der ihnen auch danach die Stirn bot und der die Achillesferse der Deutschen Mannschaft, die Abwehr mit dem bis dahin starken Hummels und dem insgesamt einfach nicht auf internationalem Niveau genügenden Badstuber austestete und die Limiten aufzeigte. Ja Italien hätte gar 4:0 führen müssen ehe der Penaltypfiff kam. Die Deutschen waren gestern zu statisch, zu naiv, zu wenig abgeklärt. Aus die Maus und wieder nur mit einem Blumentopf nach Hause.

Grande fiesta dafür bei Italien, bei denen Pirlo tanzte und Balotelli schlicht und einfach das tat, was ein Stürmer zu tun hat. Tore schiessen – und was für welche! Aber, und jetzt das kleine aber: Solche 90%igen Chancen (es gibt nach wie vor keine 100%igen!) wie in der zweiten Hälfte dürfen sie nicht auslassen, wenn sie Europameister werden wollen. So oder so, es dürfte ein tolles Spiel werden am Sonntag.

Fernsehbild des Tages: Ein weiblicher Fan (wohl der Sorte „ich schau nur Fussball wenn Deutschland spielt und sowieso nur an einem Grossanlass“) in Deutschen Farben, vergoss schon nach dem ersten Tor von Balotelli eine dicke Träne. Vorahnung oder null Ahnung?

L. Matthäus musste sich heute nacht auch noch ins Interviewbild drängen und hat irgendwas von sich gegeben. Aber es war so wie immer, man wusste schon 3 Minuten später nicht mehr was Lodda gesagt hatte.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Halbfinal 2


Nachlese
Die 30 Minuten in der Verlängerung waren die besten des Spiels, hier hatten die Spanier klar die Nase vorn. Spannende, taktisch geführte erste Hälfte mit den besseren Chancen für Spanien, aber die Portugiesen haben es hervorragend gemacht und die Räume im Mittelfeld und beim Spielaufbau der Spanier gut zugestellt. Der Schweizer Kommentator, Sascha Ruefer, hat's wiedermal nicht begriffen. Die zweite Hälfte dann deutlich schwächer, härter, vorsichtiger. Schliesslich ab zum Elferschiessen. Alves an die Latte, Fabregas an den Innenpfosten und von da ins Tor!



Deutschland – Italien

Vor der EM: Klarer Favorit gegen Aussenseiter. Nach 4 Spielen: 60/40… oder gar 55/45?
Italien hat sich gemacht. Das erste Spiel gegen Spanien war gut, insbesondere die erste Hälfte. Danach ging’s ein wenig zäher zu und her. Doch gegen England spielte Italien wieder einen gesunden Offensivfussball. 64% Ballbesitz und 20:4 Torschüsse (davon 15 auf das Tor des starken Joe Hart), das war überzeugend. Wenn jetzt Balotelli aus seinen Chancen auch noch Profit schlagen könnte, ja dann…!? Plus ein Pirlo in Hochform und ein starker Buffon in seinem letzten (?) Turnier.

Deutschland seinerseits ist die einzige im Turnier verbleibende Mannschaft, die jedes ihrer Spiele gewinnen konnte. Nicht immer überzeugend, aber dennoch! Deutschland ist und bleibt der Favorit auf den Titel, doch was wenn der Druck zu gross wird, wenn Deutschland plötzlich 0:1 hinten liegt und die Zeit verrinnt? Noch mussten die Deutschen diese Situation nicht bewältigen. In der Offensive liegt nach wie vor ihre grosse Stärke – und dank Hummels haben sie auch in der Verteidigung einen bisher sicheren Rückhalt. Was passiert mit Schweinsteiger, der ausser zwei tollen Pässen für Gomez einfach nicht auf Touren kommt? Kommt Kroos? Spielt Gomez oder doch Klose?

Heute Abend also einer der ganz grossen Klassiker des Fussballs. Auf ein tolles Spiel!

Halbfinal 1

Portugal - Spanien


Iniesta: Klein aber oho!
Ein Duell auf Augenhöhe, zumindestens was ihre fussballerischen Fähigkeiten anbelangt: Christiano Ronaldo gegen Andres Iniesta. Auf der einen Seite der pfeilschnelle, kopfballstarke, extrovertierte Superstar mit dem unberechenbaren Schuss. Auf der anderen Seite der kleine Dribbler mit der grossen Übersicht und dem tödlichen Pass.

Ronaldo hat nach einem harzigen Beginn schliesslich doch noch ins Turnier gefunden, Iniesta hat sich den bisherigen Leistungen der spanischen Mannschaft nahtlos angeschlossen: Mal auf, mal ab. Gut möglich, dass die Tagesform der beiden das Spiel heute zu Gunsten ihrer Mannschaft entscheiden kann. Iniesta immerhin kann die Verantwortung immer noch auf die Schultern, oder besser Füsse, seiner Kollegen Xavi oder Silva legen. Bei Ronaldo wird‘s da schon schwieriger. Vor allem Tore mässig benötigt es zumeist den Riecher Ronaldos – und das ist somit eine der Schwächen der Mannschaft.

Eine der Schwächen Spaniens scheint bei diesem Anlass die „Launenhaftigkeit“ des Teams, das Fehlen des entscheidenden Passes und die nicht besonders sattelfeste Verteidigung. Was wenn sie mal wirklich auf die Probe gestellt wird? Bisher war auf Iker Casillas Verlass, aber man sollte sich nicht nur auf seinen Torhüter verlassen müssen. Doch um die Spanier in Schwierigkeiten bringen zu können, braucht es auch einen etwas ausgeglicheneren Ballbesitz. Wer weiss wie und ob die Portugiesen diese schwierige Aufgabe händeln können? Machbar ist es, alleine die Umsetzung ist nicht ganz so einfach.

Spannend dürfte es so oder so werden und wahrscheinlich wird ein frühes Tor dem Spiel (Fussballfloskel Nr. 26!) gut tun.

Viel Spass mit Halbfinal Nr. 1!

Dienstag, 26. Juni 2012

Pöt-pööööt


Fussballbegeisterung hat ihre speziellen Auswüchse, insbesondere in einem Land, das keinen Teilnehmer an einem Grossanlass stellt. Vor 2 Jahren durften wir in Südafrika nach dem richtig eidgenössisch erkämpften 1:0 gegen Spanien „Freude herrscht“ vermelden. Danach war Aus die Maus. Vor 4 Jahren in an der Euro im eigenen Land hatten wir eher wenig zu jubeln und nach dem unwichtigen dritten Gruppenspiel kam eigentlich wenig Freude auf. Zu spät…

Nun ist es so, dass wir in der Schweiz einen schönen Anteil an Italienern, Spaniern, Portugiesen und Deutschen haben. 18,9% der ständigen ausländischen Bevölkerung sind Italiener, 11,2% sind aus Portugal und Deutschland, 4,4% aus Spanien. Nicht enthalten sind hier die Eingebürgerten und in erster, zweiter und dritter Generation in der Schweiz lebenden. Man spricht im Amtsdeutsch von Migranten. 

Mit fortlaufender Dauer eines fussballerischen Grossanlasses nimmt auch die Feierbegeisterung der Fans dieser Länder zu und so ist nach jedem gewonnen Spiel in den kleineren und grösseren Städten stets ein mehr oder weniger ausuferndes pöt-pöööt in den Strassen zu vernehmen. Zuletzt (und völlig berechtigt...) war das in der Nacht vom Sonntag so, als Italien England im Penaltyschiessen bezwang.

Ich finde diese Art des Feierns, die Spanienfans übrigens versammeln sich jeweils auf dem Parkplatz des Hauptbahnhofes (ich weiss das, weil ich auch schon dabei war!), sympathisch! Hupende Autokorsi gehören irgendwie dazu zu einem grossen Fussballturnier. Allerdings gibt es immer Mitbürger, die sich immens darüber aufregen, seitenlange Leserbriefe in Zeitungen oder neumodischer kurze, stinkwütige SMS an die Redaktionen schreiben. Da sind wir dann wieder sehr schweizerisch. Ausser wir sind selber dabei und gewinnen. Natürlich! Aber das ist ja auch was ganz anderes. Plus: Das alles ist doch gesünder als bei jenem Chinesen, der nach 11 Tagen mit Euro-Guckerei in der Nacht und Arbeit am Tag an Erschöpfung starb.
Oder?

Übrigens: An der kommenden Olympiade nimmt auch ein Schweizer Team am Fussballturnier teil. Nur interessiert das eigentlich niemanden.

Sonntag, 24. Juni 2012

Ruhe vor dem Sturm


Die erste Halbzeit England-Italien war Klasse. Dass das dort angeschlagene hohe Tempo mit vielen Torchancen nicht durchgezogen werden kann, zeigte sich in der schwächeren zweiten Hälfte, die von den Italienern dominiert wurde. Schliesslich kommt es zur ersten Verlängerung dieses Turniers, bei denen die Blauen wieder die besseren waren, während die Engländer müde erschienen. Rooney hatte einen rabenschwarzen Tag, von 5 Bällen hat er 4 verloren. Und wenn etwas bei den Engländern nicht klappt, wir wissen es, dann ist es das Penaltyschiessen, welch ein Frust! Italien gewinnt dieses, sie sind der verdiente Halbfinalist, das darf man nach 120 Minuten mit Fug und Recht behaupten.


Halbfinals

Portugal – Spanien

Deutschland - Italien


Das kleine Zwischenfazit:

Die grosse Enttäuschung: Holland und Russland

Die taktische Fehlentscheidung: Laurent Blanc beim 0:2 gegen Spanien, wo er viel zu lange mit einer Umstellung des Systems wartet.

Die besten Spiele: Russland-Tschechien (4:1), Schweden-England (2:3), Dänemark Portugal (2:3), Ukraine-Schweden (2:1).

Die besten Fans: Die Iren.

Die schämt-euch-Fans: Die Kroaten, Russen, auf Platz 3 die Deutschen, alle können von Feuerwerk nicht lassen, werfen Zeugs aufs Feld und die ersten zwei können nicht anders als rassistischen Blödsinn zu rufen. Pfui!

Das langweilige Thema: Die Torkamera. Kaum ein Sportverband, der sich seit Jahrzehnten dermassen dagegen ausspricht.

Fairness: Die Spiele waren erstaunlich fair.

Tore: Gab es viele. Die schönsten waren dasjenige mit der Ferse von Welbeck, Balotellis Fallrückzieher, Ibrahimovics Direktabnahme.

Das schönste Leibchen: Schwedens Away-Shirt.

Das Stadion-Ärgernis: Immer wieder leere Plätze.

Samstag, 23. Juni 2012

Viertelfinal 4


Hui, das war ein grausiges Spiel, das die Franzosen spielten. Eigentlich hatte man während den 94 Minuten nie das Gefühl, dass sie die Spanier und Casillas gefährden könnten. Klar, dazu braucht es auch den Ball und den sahen Laurent Blancs Spieler einfach zu wenig. Die Auswechslungen hätten eindeutig schon zur Pause passieren müssen und nicht erst in Minute 60. Dafür gibt's eine dunkelgelbe Karte für Blanc. Aber die Spanier haben es wieder unglaublich clever gespielt und auch wenn Iniesta von Reveillère recht gut aus dem Spiel genommen wurde, stehen eben andere bereit. Wundervoll herausgespielt das Tor zum 1:0 von Xavi Alonso.


Erkenntnis des Tages: Spanien kann es noch immer und Frankreich ist noch nicht soweit – sie haben aber immerhin noch 4 Jahre bis zur EM im eigenen Land.

Spruch des Tages: "Spanien spielt nicht Tici-Taca, sondern Tici-tici-tici-tici-tici und dann erst Taca!" Hans-Peter Latour auf SF2.


England – Italien
Klassiker hin, Klassiker her, beide Teams haben noch nicht wirklich überzeugen können. Die Engländer spielen pragmatischen Fussball, der sich bisher ausbezahlt hat und machen aus wenigen Chancen die wichtigen Tore und Italien hat noch nie länger als eine Halbzeit wirklich gut gespielt. Wird Roy Hodgson wieder mit zwei tiefstehenden Viererketten spielen oder stehen sie etwas offensiver wie gegen Schweden? Spielt Balotelli oder setzt Prandelli sogar auf Cassano plus Di Natale?

Tipp: 1:1 n.V.

Freitag, 22. Juni 2012

Viertelfinal 3


Es kam wie man es erwarten konnte. Deutschland liess den Griechen so gut wie kaum eine Chance. Doch, eine, ein schöner Konter zum 1:1, aber ein wundervoller Treffer von Khedira leitete den Sieg der Deutschen ein. Sifakis im Tor der Griechen hatte alles andere als einen guten Tag – konnte er überhaupt einen Schuss fangen, der direkt auf ihn zukam? Und beim Kopftor von Klose hat er entweder nichts zu suchen am 5er oder er muss zumindest eine Hand an den Ball bekommen.


Tor des Tages: Sami Khedira ist alles andere als ein sicherer Wert wenn es um Tore geht. Eher putzt er als 6er aus oder gibt einen einleitenden Pass zum Angriff. Gestern traff er mit einer herrlichen Direktabnahme zum vorentscheidenden 2:1, auch deshalb das Tor des Tages für den Deutschen!


Spanien – Frankreich
Tolle Affiche!!! Das Schweden-Spiel müssen die Franzosen unbedingt vergessen, darauf hoffen, dass Nasri einsatzfähig ist und ihre Stürmer treffen. Eine Achse Benzema/Giroud wäre lecker, doch Blanc wird wohl nicht auf diese offensive Variante setzen. Aber auch die Spanier müssen sich unbedingt steigern, denn auch ihr letztes Spiel, gegen die Ukraine, war alles andere als gut. Und ganz interessant: Frankreich hat noch nie an einem Grossanlass gegen Spanien verloren!

Tipp: 1:1 n.V.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Viertelfinal 2


Eine super zweite Hälfte von Portugal, die teils toll zauberten und mit Ronaldo als Matchwinner. Dazu noch 2 Pfostenschüsse der Nr. 7. Auf der anderen Seite ganz, ganz schwache Tschechen, die in den letzten 30 Minuten stehend k.o. waren und sich bei Cech bedanken können, dass sie überhaupt so lange im Spiel blieben.



Spruch des Tages: „Das ist die beste Chance der Tschechen in der zweiten Hälfte. Ein Freistoss 65m vom Tor der Portugiesen entfernt!“ Kommentator, ORF


Deutschland – Griechenland. Hier gibt es einen Riesen-Favoriten und einen dementsprechend klitzekleinen Aussenseiter. Die Griechen haben in Gruppe A bereits über ihren Verhältnissen gelebt. Wer glaubt also noch daran, dass die Griechen die Deutschen, die trotz 3 Siegen zwar noch immer nicht wirklich überzeugt haben, stoppen können? Wahrscheinlich gibt es bis zum ersten Tor der Deutschen ein Spiel auf ein Tor. Danach dürfte die Sache gelaufen sein.

Tipp: 2:0

Mittwoch, 20. Juni 2012

Viertelfinal 1


Tschechien – Portugal

Klarer Favorit ist das Team um Christiano Ronaldo. Die Portugiesen haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert, können einrn Match offensiv bestimmen, aber auch in der Defensive waren die Portugiesen diszipliniert (siehe das Spiel gegen Deutschland). Die Tschechen, wahrscheinlich wieder ohne Rosicky, werden ihre wenigen Chancen nützen müssen, wenn sie erfolgreich sein und das Halbfinale ins Auge fassen wollen. Es wäre eine saftige Überraschung. Man darf annehmen, dass Michael Bilek eher defensiv beginnen wird. Wenn Ronaldo dort anknüpfen kann, wo er im letzten Spiel gegen Polen aufgehört hat, so dürften einige tschechische Defensivspieler nach dem Spiel noch immer ein paar Drehmomente zu viel haben.

Tipp 1:2



Ausgeflippter des Tages:
Oleg Blochin drohte einem Journalisten, der es wagte die körperliche Verfassung der ukrainischen Mannschaft zu bemängeln, Prügel an und forderte ihn auf mit ihm vor die Tür zu gehen. Als die Pressekonferenz beendet war, deutete Prügel-Blochin dem Reporter nochmals den Weg zum Ausgang! Es heisst, der Journalist sei der Aufforderung für ein „Privatinterview“ allerdings nicht nachgekommen.

Tag 12 - Rooney macht's auf deutsch!


Es ist geschafft, die Viertelfinals sind komplett. Was für ein Knorz – zumindest wenn man Ukraine-England geschaut hat. Die Boys von Roy Hodgson hatten ganz klar zuerst die Devise „ja kein Tor bekommen!“, so rannten die Ukrainer bis zum Tor von Wayne Rooney erfolglos an. Und was für ein Tor, Riesenpatzer der Hintermannschaft inkl. Goalie. Auf der anderen Seite hielten Joe Hart, immer irgend ein Bein und der 5. Offizielle den Engländer die Null! Währenddessen spielten die Franzosen nicht mal so schlecht, können sich schlussendlich aber bei Hugo Lloris bedanken, dass es am Schluss nur 2:0 für Schweden stand. Nun trifft Laurent Blanc mit seinen Mannen auf Spanien, England auf Italien.
Ukraine und Polen folgen somit ihren Vorgängergastgebern, Schweiz und Österreich, die beide ebenfalls, wir wissen es, nach der Gruppenphase die Segel streichen mussten.


(K)Ein Tor des Tages!
Tor! Oder doch nicht? Sicher, der Ball war definitiv hinter der Linie. Sicher ist auch, dass der „Torraumrichter“ wohl so nah am Pfosten stand, dass die Perspektive einfach nicht mehr hergab. Und sicher ist auch, dass dem Keintor-Tor ein Offside an der Mittellinie vorausging. Eigentlich kann sich niemand beschweren (obwohl heute, wie der ORF-Kommentator wohl treffend bemerkte die innenpolitischen Seiten bei den ukrainischen Zeitungen gestrichen werden und auf Seiten 1-80 nur Fussball und das (schwache) ungarische Schiriquintett behandelt werden würde). Und doch kommt wieder die leidige Torraumkameradiskussion auf. Leidig, weil es längst keine Diskussion mehr sein sollte. Leidig, weil es technisch längst machbar wäre. Und leidig, weil es nur darum geht, bei genau solchen Szenen auf eine Torkamera zurückzugreifen. Das gäbe dann pro 5 Spiele vielleicht eine zu überprüfende Szene, das ist alles. Elferentscheidungen, mögliche Offsides, das alles lässt man wie es ist. Aber die Torkamera muss einfach her. Schluss, aus, fertig!


Heute ist Ruhetag, das heisst man kann die Beine abends auch mal wieder bewegen, die Sitzmulde im Fernsehsessel ausklopfen, den traurig dreinblickenden Vierbeiner ausführen und die leeren Bierflaschen endlich entsorgen. Die ganz harten unter uns können sich natürlich ein Spiel als Aufzeichnung ansehen, das in den Parallelübertragungen verloren ging... aber seien wir ehrlich: Kennt man das Resultat, ist das ganze etwa so prickelnd wie ein lauwarmes Bier ohne Kohlensäure. Nein, nein, lassen wir den Fussball für heute mal gut sein, setzen wir uns in den Garten und geniessen den Sommer – oder wer Lust hat, kann sich auch die neueste Rosamunde Pilcher Verfilmung antun, irgendwo läuft sicher so ein Unding.

In dem Sinne, gute, wenn auch kurze Erholung!

Dienstag, 19. Juni 2012

Tag 11 - Ticitaca auf Sparflamme


Heute letzte Gruppenspiele, danach geht's in die K.O.-Phase, heiss, heiss! Bisher haben wir eine tolle Euro gesehen. Viele Tore, offensive und erstaunlich faire Spiele und einige wunderschöne Tore. Es gab einen einzigen Penalty bisher, aber auch die ein oder andere Fehlentscheidung aus Schiedsrichtersicht. Mit Ausnahme von letzterem, so kann es weitergehen.

In Sachen Schirientscheidungen ging es gestern bei Kroatien-Spanien drunter und drüber. Bei beiden Teams hätte man jeweils mind. einmal auf Penalty entscheiden können, aber Herr Stark & Co. aus Deutschland hatten einen schwachen Tag! Wie die Spanier. Und die Kroaten? Stehend k.o. Italien hat die Iren recht locker, nach Startschwierigkeiten, aber wenig überzeugend 2:0 geschlagen. Na immerhin gibt es nun nach den Holländern auch noch eine weitere Mannschaft die mit 0 Punkten nach Hause fährt. In den Viertelfinals sind also Spanien als Gruppensieger und Italien.



Schlagzeile des Tages:
Der dänische Stürmer Nicklas Bendtner wird mit einer Strafe von 100'000 Euro und einer Spielsperre belegt, weil er bei seinem zweiten Tor gegen Portugal beim Torjubel seine Unterhosen zeigte. Das wäre an sich nicht mal so schlimm, würde auf diesem schmucken Stück nicht der Schriftzug eines Wettanbieters prangen. Seine Ausrede, es sei bloss ein Glücksbringer wurde vom Wettanbieter sogleich zunichte gemacht mit der Aussage, dass sie die Strafe übernehmen würden. Nicht sehr intelligent Herr Bendtner.


Situation Gruppe D

Frankreich 4
England 4
Ukraine 3
Schweden 0

Endspiel Ukraine gegen England. Wer gewinnt ist durch. Kann England seine Leistung gegen Schweden, offensiv gesehen, nochmals wiederholen? Wie passt sich Rooney in ein nicht mal so schlecht funktionierendes System ein? Der ManU Angreifer ist immer für einen genialen Pass oder einen starken Abschluss gut, das ist sicher.
Schaulaufen hingegen bei Frankreich-Schweden. Bei letzteren dürften einige Auswechselspieler zum Zuge kommen, während die Franzosen an sich ja bereits im Viertelfinale sind.

Samstag, 16. Juni 2012

Tag 9 – Hellas kann's auch ohne Rehhagel


Nur ein Spiel oder in Konferenzschaltung schauen, das war gestern Abend die Frage? Ich mag sie ja eigentlich nicht, diese Hin- und Herschalterei, aber immer noch besser als selber die Schalthebel in die Hand nehmen und genau zur falschen Zeit beim falschen Spiel zu sein...! Wer auf Konferenzschaltung klickte, der sah zumindest das Tor der Tschechen nicht, denn genau in dem Augenblick schaltete der ORF auf das Russen-Spiel um. Pech!

Die Männer mit den Helmen
dürfen bleiben!
Und wer schaffte es? Die Griechen! Tatsächlich. Irgendwie schön, wenn ein Land das in ganz Europa unten durch muss, wenigstens im Sport, sprich: Fussball, ein bisschen Erfolg hat. Gewinnen sie doch gegen viel zu zögerlichen Russen, bei denen gestern nur Arshawin genügen konnte. Alle anderen in Rot spielten Kraut und Rüben. Und die Polen? Auch raus. Nach guten ersten 15 Minuten sackte bei denen die Angst bis in die letzte Fussballnocke und die Tschechen machten in Hälfte 2 das entscheidende Tor, sind sogar Gruppensieger.

Situation Gruppe B
Deutschland 6 Pkt.
Portugal 3 Pkt.
Dänemark 3 Pkt.
Holland 0 Pkt.

Sie sind so gut wie raus aus dem Turnier, die Holländer, ausser sie gewinnen hoch gegen Portugal und Deutschland gewinnt hoch gegen Dänemark. Dass sich die Portugiesen von den bisher sehr enttäuschenden Holländern überfahren lassen, ist weit weniger wahrscheinlich, als dass Deutschland gegen Dänemark gewinnt. Aber die Dänen werden alles daran setzen um ihre Chance auf den Viertelfinal zu wahren. Dafür muss aber mindestens 1 Punkt her. Der Kampf um Platz 2 in Gruppe B ist unheimlich spannend. Einzig, dass Deutschland noch raus kugeln könnte ist zwar rechnerisch drin aber eigentlich kaum möglich.

Tipps:
Portugal-Holland 1:1
Dänemark-Deutschland 1:2

Freitag, 15. Juni 2012

Tag 8 - Bestechlicher Rasen?


Zuerst war das Wetter der „grosse“ Star bei Ukraine-Frankreich. Nach 4. Minuten musste die Partie für rund eine Stunde unterbrochen werden, nachdem ein heftiges Gewitter das Geläuf in der Arena unter Wasser setzte. Danach waren es die Franzosen, allen voran ein laufstarker, unermüdlicher Ribéry, ein starker Cabaye, erstaunlich gut auch Diarra und verlässlich Hugo Lloris, die der Ukraine den Stecker zogen. Ein absolut verdientes 2:0 für les bleus.



Hitchcock in der zweiten Hälfte von Schweden-England... Pause 0:1, Eigentor Johnson 1:1, Mellberg 2:1, Walcott mit Bogenbananenschuss 2:2, Welbeck mit EM-Traumtor zum 2:3. Was in der ersten Hälfte nach höchst mässiger Fussballkost schmeckte, wurde danach richtig dramatisch. Und so sind die doch enttäuschenden Schweden nach den Iren als zweites Team raus – und England hat ein „Endspiel“ gegen die Ukraine.


Kommentar des Tages: „Der Rasen wird bestochen!“ Der ORF Kommentator zu den Rasenarbeiten nach dem heftigen Gewitter in Donezk beim 1. Spiel des Abends um das Wasser per Handarbeit vom Spielfeld zu bekommen. Ob ein Bezug zur Wett-bestechlichen Fussballwelt gewollt war? Jedenfalls waren dessen pausenfüllende Kommentare vergnüglicher als die Versuche auf ARD und SF2.


Die letzten Spiele der Gruppenphase stehen an und somit gibt es nur noch ein Spiel pro Abend zu sehen. Schade, schade, schade.

In Gruppe A wird es heute nicht nur wettertechnisch heiss:
Russland 4 Pkt.
Tschechien 3 Pkt.
Polen 2 Pkt.
Griechenland 1 Pkt.

Poleposition für die Russen, die gegen die bisher schwachen Griechen ran dürfen, kaum denkbar dass nicht mindestens 1 Punkt drin liegen würde. Im anderen Spiel, Polen-Tschechien, wird sich entscheiden wer als Zweiter in die Viertelfinals aufsteigt. Vorteil Polen, sie haben weit mehr überzeugt als die Tschechen, auch spielerisch wäre es dem Gastgeberland wirklich zu gönnen!
Tipps:
Russland-Griechenland 2:0
Polen-Tschechien 2:1

Donnerstag, 14. Juni 2012

Tag 7 - Deppen, Ticitaca und irre Iren


Ein flotter Start von Italien, die durch einen tollen Freistoss von Pirlo verdient mit 1:0 in die Pause gingen. Es hätte locker 2 oder gar 3:0 stehen können. Nach der Pause kamen die Kroaten lange nicht durch, aber die Azzuri brachten nach vorne ebenfalls nur noch wenig zustande. Mandzukic traf in der 72' herrlich zum Ausgleich. Italien drückte nochmals kam aber kaum zu guten Chancen.

Den ersten Torschuss in Hälfte 1 hatten zwar die Iren (Cox, 1'), aber Torres war es, der nur Minuten später endlich, endlich wieder traf in der Nationalmannschaft. Danach folgte ein Powerplay rund um und im 16er, aber immer mit einem Pässchen zu viel anstatt konsequenter den Abschluss suchen. Besser und souverän machten sie es dann nach dem Pausentee mit 3 Toren von Torres, Silva und Fabregas.

Idioten des Tages: Die kroatischen Fans, die mit ihren Petarden mehrmals für einen Spielunterbruch sorgten. Unbelehrbar und dumm!

Und im Gegensatz dazu, die Fans des Tages: Die Iren, grossartig selbst wenn man 0:4 hinten liegt. Davon können sich so manche eine Scheibe von abschneiden, insbesondere Raketenwerfer, Petardenanzünder, Gegenständeschmeisser und Auspfeifer! Plus, stehen die noch friedlich mit Spaniern in den Rängen und feiern gemeinsam. So könnte es eigentlich immer sein, ohne Hämegesänge und Anfeindungen – dann sagt man auch nicht nein zum Fussballbierchen!

Freitag-Tipps:
Ukraine – Frankreich wird zu einem wichtigen Spiel für die Franzosen. Spielen die Gastgeber aber so auf wie gegen Schweden, wird die schwache französische Defensive bös unter Druck kommen. Soll mehr als ein Punkt her, müssen sich Nasri, Ribéry & Co. mächtig steigern.
Das selbe gilt für die Engländer, die gegen ein noch punktloses Schweden ran müssen. Hinten waren die Engländer stark, vorne ging aber nur wenig und im Mittelfeld fast gar nichts. Und für Schweden gilt: 3 Punkte müssen her. Könnte ein interessantes Spiel werden.
Ukraine – Frankreich 1:1
Schweden – England 0:1

Mittwoch, 13. Juni 2012

Tag 6 – Gomez hui, Ronaldo pfui


Ein Spiel unter dem Motto „Wenn Ronaldo nicht trifft und Portugal doch gewinnt“, das von der Dramatik in den letzten 15 Minuten lebte, als Bendtner zum 2:2 ausglich und Ronaldo zuvor eine Riesenchance unglaublicherweise neben das Tor setzte. Einwechselspieler Varela machte das entscheidende 2:3 in der 85 Minute und Ronaldo fiel ein Steinbruch vom Herzen. Ansonsten ein Spiel auf knapp mittlerem Niveau.

Meine Güte was für einen Käse, den sie nicht machen können, spielen die Orangen denn da bloss zusammen? Hinten so löchrig wie obiger und vorne erst ab der Pause einigermassen akzeptabel, als man endlich von einer (schon wieder!) allzu defensiven Formation absah (van Bommel und DeJong als Doppel-6, unverständlich). Gomez stark, Schweinsteiger mit zwei Sahnepässen, die Deutschen insgesamt wieder sehr effektiv. Ende, aus, vorbei für den Vizeweltmeister – so gut wie. Welch ein Frust muss das sein für die Holländer.

Der Verschuss des Tages: Christiano Ronaldo schiebt locker... neben das Tor.

Wie die Uefa verlauten liess, wurde Russland für die nächste Qualifikationsphase mit 6 Punkten Abzug bedingt bestraft. Grund sollen die Raketen sein, die aus dem russischen Sektor auf den Platz flogen, sowie Anfeindungen gegen Ordner. Fragen: Was heisst bedingt und was ist mit den Gegenständen, die bei Cornern aus dem Deutschen Sektor Richtung Portugiesen flogen? Zwei Ellen für Charlie?

Tipps:
Italien und Kroatien konnten beide überzeugen. Vielleicht liegt ein kleiner Vorteil bei den Kroaten wegen der etwas stärkeren Offensive. Irgendwie riecht das Spiel nach Unentschieden. Spanien gegen Irland hat einen klaren Favoriten – und vielleicht ist dieses Mal auch der Rasen gewässert?
Italien – Kroatien 1:1
Spanien – Irland 2:0

Tag 5 - Rasen sprengen!


Die Tschechen holen in einem mässigen Spiel 3 Punkte. Obwohl die Griechen nach den schnellen zwei Toren innerhalb der ersten sechs Minuten alles nach vorne warfen oder es zumindest versuchten, kamen sie nur dank eines bösen Fangfehlers von Petr Cech zu einem Tor. Das brachte in der zweiten Halbzeit immerhin nochmals etwas Spannung.

Ein tolles, intensives Spiel lieferten sich Polen und Russland. Das 1:1 geht okay, was für ein Traumtor von Blaszczy... ich weiss nicht ...kowksi. Oder so. Die Russen waren insbesondere in der ersten Hälfte brandgefährlich, doch die Polen konnten in Hälfte Zwei aufdrehen und kamen zu einigen guten Chancen. Wieder ein Spiel, das in die Abteilung „unterhaltsam und spannend“ bei dieser Euro 2012 gehört. Fein. Mein „Lieblingsreporter“ auf SF 1 meinte ja es sei nichts los gewesen, aber so ist er eben der Sascha Ruefer. Daumen runter für den überschätzten SF Liebling.


Der Fehlgriff des Tages: Petr Cech beim einzigen Tor der Griechen.
Huch bei Cech!


Die Sache mit dem nassen Rasen
Fussballer finden immer einen Schuldigen. Schir. Foulende Gegner. Faule Mitspieler. Hitze. Kälte. In Polen und der Ukraine sind es die zu trockenen Platzverhältnisse. Was die Profis als „stumpf“ bezeichnen heisst übersetzt „langsam“ und so haben sich die Spanier (gegen Italien) und die Polen (gegen Griechenland) beschwert, dass der Rasen vor dem Spiel und in der Pause nicht gewässert wurde. Verhältnisse, die wir hier beim aktuellen Wetter nicht kennen.

Wieder ein toller Spieltag heute. Die Holländer und Portugiesen mit dem Rücken zur Wand. Özil gegen Sneijder, Ronaldo gegen befreit aufspielende Dänen. Heute geht's rund!

Tipps:
Niederlande – Deutschland 2:2
Dänemark – Portugal 1:1

Dienstag, 12. Juni 2012

Tag 4 - In Roy we trust...


Das war ein, sagen wir es positiv, sehr taktisches Spiel, was sich England und Frankreich abverlangten. Gute Defensivarbeit bei den Weissen, bei den bleus war Nasri vif und Ribéry unheimlich emisg. Auch Cabaye konnte gefallen, aber wehe wenn die Defensive der Franzosen mehr gefordert wird. Alles andere als das beste Spiel der Euro - Frankreich wird sein wahres Gesicht wohl erst gegen die beiden anderen Gruppengegner zeigen (müssen)...

...denn die lieferten sich gestern Abend eines der tollsten Spiele dieser ersten Runde. Die zweite Hälfte war ein absoluter Genuss. Welch ein Tempo, das die Gastgeber gegangen sind. Kaum jemand hat den Ukrainern so ein Spiel wirklich zugetraut. Nach 95 Minuten blieb nur noch ein grosses „Wow“! Mein Fussballkollege aus Übersee, Vincent Gilloz, könnte allerdings richtig liegen mit der Behauptung, dass die Ukraine dieses Tempo nicht über 3 Spiele wird gehen können!

Kurzes Fazit der ersten Runde: Starke Osteuropäer! Russland, Ukraine und Kroatien mit einem grossen Plus! Dänemark und Italien bekommen einen „Daumen hoch“. Holland mit einem dicken, dicken Minus – aber auch die Deutschen haben enorm enttäuscht. Hinter Frankreich setzen wir ein Fragezeichen und die Spanier, wie sie selbst sagen, wollen einen schnelleren Rasen.


Spielerbild des Tages:


Start zur Runde 2:

Griechenland – Tschechien
Beide mässig überzeugend offensiv, einen grossen Schlagabtausch erwarte ich nicht. Baros hat im Spiel gegen die Russen enttäuscht. Chalkias im Tor der Griechen ist ein Risiko. Wer verliert ist wohl raus, es würde mich nicht wundern wenn hier am Schluss ein Unentschieden rausschaut. Deshalb:
Tipp 1:1


Polen – Russland
Der Repetition Willen: Polen noch mehr unter Druck als gegen Griechenland. Und die Russen wissen, ein Sieg hier und sie sind eine Runde weiter. Wird sehr schwierig für den Gastgeber.
Tipp 1:2

Sonntag, 10. Juni 2012

Tag 3 - Fröhliches Nationalhymnensingen


Weil Ljajic die Nationalhymne der Serben nicht singen wollte, wurde er aus dem Team geschmissen. Bei den Deutschen singen ebenfalls längst nicht mehr alle innbrünstig (und die die singen meist grausig falsch) die Hymne. Sympathisch. Gut haben es die Spanier, die können nicht, da ihr Landeslied ein rein instrumentales Stück ist, uff, denken sich da Iniesta & Co. Darf ein Spieler spielen, wenn er die Nationalhymne nicht singt? Aber ganz sicher. Das muss jeder mit sich abmachen und niemand hat ihm hier etwas vorzuschreiben. Der eine braucht vielleicht genau das Gegenteil, nämlich ein paar Gedanken für sich oder an wen auch immer. Ist ein Spieler, der die Hymne nicht singt ein schlechterer Serbe, Deutscher, Franzose oder Portugiese? Oder ist der nach 12 Bieren vollgetankte Fan, der die Landeshymne mitgröllt ein besserer Landsmann? Ja selbst vier der irischen Mannschaft, die ja nun wirklich ihr Land von Kopf bis Fuss lieben, mochten nicht mitsingen. Who cares?

Ginge es nach inbrünstigem Singen, die Engländer und Italiener, aber auch die Franzosen wären sowieso Europameister. Zum Glück geht es nicht darum, sondern um das was auf dem Platz geschieht und nicht ob Jogi und Flicki jetzt die gleichen Hemden und sogar die selben Armbänder tragen...! Was sie erstaunlicherweise tun.

Und da war sie wieder, die schönste Nationalhymne Europas. Italien ist ins Turnier gestartet, Pirlo gegen Xavi, Casillas gegen Buffon. Nicht schlecht, nicht schlecht. Aber ganz gross war der Kleinste, Iniesta. Ein tolles Spiel vom spanischen Ballzauberer. Italien sehr diszipliniert und mit guten Vorstössen. Ganz ansehnliches Spiel.

Die armen Iren mussten schön untendurch, Pech (ein klarer Elfer nicht gepfiffen, Given wird vom Ball via Pfosten am Kopf getroffen: Tor) und ein überlegenes kroatisches Team rangen die grossen Kämpfer nieder.

Mützenträger des Tages: Slaven Bilic im polnischen Vorsommer









Frankreich – England
Uiui, mein Drei-Löwen-Herz zittert vor den grossen Talenten der Blauen, Ribéry, Cabaye, Nasri, Menez, Benzema, Debuchy. Da kommt einiges auf den Hodgson-Trupp zu. Vielleicht kann sich England, auch sie mit jungen Talenten wie Welbeck, Carroll, Oxlade-Chamberlain steigern im Turnier? Qualitativ ein klares Plus bei den Franzosen – und wer deren Ligue 1 mag wie ich, bei dem fliesst auch ein bisschen blaues Blut in den Adern.
Tipp: 2:1

Ukraine – Schweden
Das harte Brot eines Ausrichterlandes. Die Ukraine muss gegen Schweden punkten um eine Chance auf Platz zwei zu haben, aber die Ukraine hat zuletzt ganz und gar nicht überzeugen können. Die Schweden sind Favorit, mal sehen wie sehr ihr Spiel auf Ibrahmovic ausgerichtet und somit ausrechenbar ist.
Tipp: 1:1

Samstag, 9. Juni 2012

Tag 2 - Dänische Power!


Trainerfuchs Morten Olsen!
Ja das war stark was die Dänen gestern gezeigt haben. Zuerst 20 Minuten bös unten durch, aber nach dem 0:1 abgeklärt. Die Holländer viel zu pomadig. Dank einem grossartigen Andersen im Tor (dessen einziger, fast aber teurer Aussetzer Robben an den Pfosten knallte) schafften sie die Überraschung! Holland wird am Mittwoch gegen Deutschland arg unter Druck sein. Aaaaber, wo waren Seiten-, Tor- und Hauptreferee bei den Handspielen der Dänen?

Aber auch Deutschland tat sich unheimlich schwer gegen disziplinierte Portugiesen, die gar die klareren Torchancen (= auf das Tor Schüsse) hatten. Und versiebten. Das Spiel war alles andere als gut, dafür umso spannender. Am Schluss, Fussballfloskel Nr. 36, sind es die 3 Punkte, die zählen.

Spruch des Tages: "Drei, vier, fünf Jungs hatten sehr gute Chancen." Mark van Bommel.


Spanien – Italien
Noch nie war eine Partie dieser beiden Nationen so klar in Favorit und Aussenseiter aufgeteilt. Es bleibt dabei: Sind die Spanier noch hungrig genug? Und wird Torjäger David Villa zu ersetzen sein?
Tipp: 2:1


Irland – Kroatien
Dass ich den Grüninselkickern den Daumen drücke, das können sich meine Pfeifenkollegen wohl denken. Sie werden kämpfen, rennen, alles geben – und verlieren...! Die Kroaten sind zwar nicht mehr so stark wie Mitte der 90er, aber sicher der ganz grosse Favorit gegen Irland.
Tipp: 0:2

Tag 1 - Nervenflattern und Griechenhelme


Der Falsche...

Während die Polen Nerven zeigten und dank Ersatzkeeper Tyton noch einen Punkt retten konnten, zeigten die Russen gegen nur kurze Zeit überzeugende Tschechen ein gutes Spiel – sie sind nach dem klaren 4:1 wohl endgültig zum gefährlichsten Aussenseiter aufgestiegen.

...und der Echte!
7 Tore am ersten Spieltag, da will man nicht rum mäkeln, oder? Wir haben schon so manchen schlimmeren Eröffnungstag an Grossanlässen und ödere Auftaktspiele erlebt. Übrigens wurde nicht bei der Torsituation von Salpingidis, sondern auf den Pass zuvor auf Offside entschieden, meiner Meinung klar zurecht.

Auf uefa.com kann man übrigens unter der Rubrik „Fans des Tages“ Bilder von angemalten, be- und verkleideten und sonst wie behuteten Fans sehen. Meine Stimme geht an den Herrn mit dem Sparta-Helm, nicht wegen der Idee an sich, sondern weil er diesen beim Herumhüpfen immer festhalten musste. Gut muss er mit dem Ding nicht in eine bevorstehende Schlacht ziehen. Speziell auch die blonden Russendamen, die bei jedem Einwurf ihrer Mannschaft scheinbar in Ekstatse gerieten. Oder nicht wussten was da jetzt genau passiert...!

Und was geht heute über den Äther?

Holland – Dänemark
Holland setzt auf van Persie, Huntelaar muss also die Bank drücken. Wer weiss, vielleicht wird der BuLi-Torschützenkönig zum Joker des Turniers – oder nur zum Edel-Joker? Vorteil sicher für Holland, obwohl sich die Dänen nach dem ersten Platz in der Qualigruppe nicht verstecken müssen.
Tipp: 2:1

Deutschland – Portugal
Mit Spannung erwartete Partie! Ob sich Ch. Ronaldo endlich auch im Natidress so richtig in Szene setzen kann? Ob die Deutsche Abwehr dichthält - grosses Fragezeichen? Machen die Löw-Boys das erste Tor, gewinnen sie das Spiel!
Tipp: 2:0


Donnerstag, 7. Juni 2012

EM Checkliste


Nach täglichem Schlafzählen sind wir endlich bei 0 angelangt. Heute beginnt die Euro in Polen und der Ukraine. Gruppe A, Gastgeber Polen macht den Auftakt während Landesvertreter an den vergangenen Tagen ihren Mannschaften nochmals Mut zu sprechen und gleichzeitig über die Eurokrise beraten. Ich verzichte jetzt auf ein Euro Wortspiel, das können andere besser.

Wichtige Ingredienzien für den EM-Start:

In:
  • 3 Wochen im Lieblingstrikot rumlaufen ohne es zu waschen
  • Urlaub nehmen wegen der EM
  • ein gut überlegtes Überbrückungsgeschenk für Frau/Freundin/Partner
  • anständiges Bier, vorzugsweise aus dem Land seines Favoriten (also kein Weissbier...)
  • mindestens 3x pro Woche joggen gehen
  • Spiele auf ausländischen Sendern verfolgen (empfohlen ORF, englische Sender)
  • Phils Euro2012daily Blog lesen, natürlich! Odrrrr?

Out:
  • Fähnchen am Auto
  • Nicht rasieren bis die Lieblingsmannschaft ausscheidet (à la Eishockey Playoffs)
  • Kartoffelchips
  • Umschalten wenn die Lieblingsmannschaft am verlieren ist
  • Public Viewing (zu viele Leute, zu viele „Kenner“)
  • bei der Arbeit über Fussball sprechen
  • ZDF Analysen gucken – gäääähn
  • Euro-Songs und Euro-Witze
  • Die Maskottchen... aber das haben wir 2008 nicht besser hingekriegt!

Die offizielle Uefa Euro Seite (uefa.com) zählt tatsächlich, welche Spieler am meisten getwittert werden. Irgendwie hat man das Gefühl, dass vor der Euro einfach zu wenig los ist um darüber zu schreiben. Keine Skandale, keine politischen Streitigkeiten. Entsetzlich...

Polen – Griechenland
Druck für den Gastgeber! Gegen die Griechen müssen 3 Punkte her, sonst werden die Polen - Fans, Spieler und Medien - allzu schnell nervös werden. So oder so, viele Tore wird es hier wohl nicht geben.
Tipp: 1:0

Russland – Tschechien
Startet Favorit Russland mit einem Sieg ins Turnier? Den Tschechen fehlt wohl Baros und somit ein richtiger Goalgetter.
Tipp: 2:0

Mittwoch, 6. Juni 2012

Vor-EM-Schlagzeilen


Die Presse, ob Zeitung, Zeitschrift, TV oder Internet übt sich schon vor der Euro 2012 in mannigfaltig blumiger Sprache, hier ein paar Exempel der spezielleren Art:



Kicker über Löw: „Kampftrainer mit Tunnelblick“ – was wenn Bundesjogi im Gotthard stecken bleibt?

Sport1.de verkündet in Sachen Roy Hodgson: „Moralisch suspekt“ – in Sachen Nichtnomination des langsamsten Verteidigers der Premier League, Rio Ferdinand, der die beleidigte Leberwurst spielt.

Goal.com und Spaniens Trainer: „Del Bosque erteilt Spanien Twitter“ – Nix mit Kürzelsätzen von der furia rioja.

Stern.de über Holland: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Kicker über Deutschland: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Phil über Stern.de und Kicker: „Gäääähn!“

The Hardtackle.com über Frankreich: „Les Bleus looking to avoid a Hat-Trick” – nach der Rauspurzelei an den letzten beiden Grossanlässen.

Focus.de: „Ukrainische Studenten leiden unter der Euro“ – weil sie aus ihren Wohnungen geschmissen werden um Euro-Touristen zu beherbergen…

Suedostschweiz.ch und die Hellenen: „Euro-Ausstieg der Griechen möglich“ – Glaskugelleserei zur Euro 2012 Gruppenphase oder Devisen bezogenes Drachmenrevival?

Frankfurter Allgemeine Zeitung zu Cristiano Ronaldo: „Reich, schön und gut“ – neue Soap auf ZDF?

Berliner Zeitung: „Italien versinkt im Chaos“ – eine gewohnte Schlagzeile zu unserem südlichen Nachbarland oder?

Financial Times Deutschland: „Podolski ist einer von uns“ – nicht die Deutsche, sondern die polnische Sichtweise übrigens!

20 min: „Die fiesen Tricks der Panini-Album-Vertreiber“ – Die wichtigste Schweizer EM-Schlagzeile… ja, wir sind nicht dabei!

Montag, 4. Juni 2012

Kann es ein neues Griechen-Dänemark geben?




So sympathisch der Gewinn Dänemarks 1992 war, so war Griechenlands Triumph 2004 ein Wermutstropfen für den offensiven Fussball - ausser man ist Grieche – ganz abgesehen vom Schlag in die Magengrube Portugals, die für lange Zeit an dieser Niederlage nagen dürften. Alsdann hatte man das Gefühl, dass sich so einige Mannschaften fortan mit der Devise „zuerst mal kein Tor bekommen“ durch die Grossanlässe seuchten. Wir erinnern uns an so manches Gruppenspiel der letzten WM.

Doch wer wäre fähig, ein Griechen-Dänemark 2012 auf die Beine zu stellen? Die Griechen selber nicht, zu schwach scheinen die einstigen Rehakles besetzt und wie die europäischen Euro-Sympathien verteilt sind, überlasse ich jedem selbst. Die Schweden haben ein spannendes Kader mit einigen Talenten, doch wenn Ibrahimovic nicht trifft, wird es schwierig für das Team von Erik Hamren. Viel hängt auch dieses Mal wieder von ihrem eigenwilligen Star ab.

Die Dänen haben eine grausam schwierige Gruppe erwischt. Nein, die Floskel „an einer EM gibt es keine einfache Gruppe“ lassen wir hier für einmal nicht gelten. Wer wünscht sich schon Deutschland, Holland und Portugal als Gruppengegner? Die Polengruppe ist um einiges offener! Aussenseiterchancen eigentlich gleich Null in Gruppe B, so sehr ich die Dänen und ihren oft erfrischenden Fussball schätze.

Darf man ein Gastgeberland als Aussenseiter sehen? Im Falle von Polen und der Ukraine schon, wobei gerade letztere auf kaum einem Tippzettel notiert sein dürften. Aber ein richtiges Griechen-Dänemark gibt es sowieso nur ausser Landes! Also, streichen...

Bleiben noch die Iren, kampfstark, grün(weiss) und fähig einem „Grossen“ das ein oder andere Unentschieden zu erringen. Mehr dürfte für die Fussballer der keltischen Insel leider nicht drin liegen.

Also fabrizieren wir die Frage neu: Gibt es ein Griechen-Dänemark an der Euro 2012? Käumlich!

ph

Freitag, 1. Juni 2012

Drei Löwen für Roy


Ich gebe es zu, als Roy Hodgson kürzlich mit dem Amt des Teamcoaches bei den Three Lions bedacht wurde, wurde mir etwas schwindelig. Nachdem Capello aus der Captainaffäre den Schlussstrich zog, wurde dem vielfachen Wunschkandidaten Harry Redknap (Tottenham Hotspurs) nun doch Roy Hodsgon vorgezogen. Als Miteidgenosse müsste man bei der Ernennung Hodgsons ja eigentlich hoch jauchzen, himmelhoch, immerhin hat der Brite die Schweizer Nati nach Jahrzehnten des Trübsal blasens 1994 an die WM in den USA geführt, wo die Schweizer bis zum Achtelfinale toll gespielt hatten – 2 Jahre später qualifizierte sich das Team auch noch für die EM. Doch das ist nun 16 bzw. 18 Jahre her und das Palmares von Hodgson danach sieht zwar beeindruckend aus, war es aber nicht. Zumeist war nach einem oder zwei Jahren schon wieder Schluss und Teams wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Viking Stavanger oder Finnland zählen jetzt nicht gerade zu denjenigen, die für einen höheren Job qualifizieren. Und erfolgreich war er bei den Grossen mit einer Ausnahme nicht.

Ausserdem tritt er ein schweres Erbe an. Zwar hat Capellos Elf an der WM in Südafrika alles andere als einen tollen Auftritt hingelegt, aber die Quali dazu und zur Euro 2012 waren schon sehr beeindruckend.

Nun ist der 64 jährige also Englands Coach, doch reicht eine Vorbereitungszeit von nur wenigen Wochen in denen sich Team und Coach kennenlernen können, von einimpfen einer Spielphilosophie und eigenen Ideen abgesehen? Ein paar Testspiele und ein paar Verletzungen (Barry, Lampard) später, wird man noch nicht viel mehr wissen, der Auftritt an der EM entwickelt sich also zum Ü-Ei. Immerhin gelten die Three Lions nirgends als Turnierfavorit und selbst in England ist man nicht sonderlich überzeugt.

Auch ich bin es nicht und so hat die Nomination Hodgsons doch für einen leichten Seitenstich in meiner Englandseele gesorgt. Mit der richtigen Atemtechnik, sprich einem guten Auftritt gegen les bleus am ersten Spieltag von Gruppe D, könnte dieser vielleicht doch noch verfliegen. Aber ob es endlich wieder nach ganz vorne reichen wird, das steht mehr denn je in den Sternen.  

ph

Montag, 28. Mai 2012

Eine scharfe EM


Ich glaube es ist das erste Mal, dass alle Spiele einer EM oder WM in HD und einige sogar in 3D auf den freien Programmen zu sehen sind. Wir erleben also noch genauer und sogar plastisch wenn Schiris und Linienschiris sich vertun, ob England wieder ein Tor versagt bleibt und wenn Gott erneut die Hand eines Spielers küsst. Hinzukommen werden etliche super-slow-mos aus diverse Aufnahmewinkeln, die einem bei Tacklings in Atem halten werden. Übrigens sieht es nicht weniger schmerzhaft aus, wenn ein Misstritt 4fach und in Superzeitlupe gezeigt wird. Und es sieht auch nicht schmeichelhafter aus, wenn ein Ronaldo über den Ball haut oder Robben im Strafraum überhaupt nicht getroffen wird.

Aber solange Hawkeye erst beim Tennis zu den Linien schauen darf und bei UEFA/FIFA weiterhin im Versuchsstadium des Altherrengremiums ist (man muss ihnen Zeit geben, es geht eben nicht mehr alles so schnell), spielen alle Zeitlupen keine Rolle. Es bleibt beim Tatsachenentscheid, wenn auch verteilt auf mehrere Pfeifenmänner. Halt nein, spuckt ein Spieler dem anderen in den Nacken und sehen das nur die Fernsehkameras, dann kann sich das spielende Lama alsbald vom Spiel, mindestens von den nächsten, verabschieden. Diskutiert werden aber darf auch nachher noch, ob mit oder ohne Falkenauge. Ausser mit den Schiris, die haben eine Interviewsperre auferlegt bekommen.

Mit HD sieht man jetzt wenigstens die Rückennummern der Spieler und entdeckt wie oft sich unsere Lieblings-Kommentatoren beim Spieleransagen vertun (Weltmeister darin sind glaube ich, die Schweizer). Kann man darauf eigentlich auch Wetten abschliessen? Mal die Azzuri fragen, die wurden in der Nacht auf heute von den Carabinieri aus den Betten gescheucht und auf Wetttätigkeit getestet. Eine ganz andere Form der Dopingprobe.

In HD aber hoffentlich nicht in 3D, und wenn man mag in Dolby Stereo, kann man auf dem ZDF bald schon dem liebsten Schlaftablettenduo des deutschsprachigen Fernsehens zugucken: Herr Kahn und Frau Müller-Hohenstein, Marianne und Michael des Fussballs, fast so unterhaltsam in Mimik und tiefgründig in ihren Texten.

Kennt jemand ausser mir den Sender ESPN Classics? Dort kann man älteren Fussballspielen frönen, Halbfinals aus 1984, Finals aus 1982, arg kurze Hosen und lange Bärte inklusive. Fast hat man vergessen wie wenig man mit den alten 4:3 Würfeln eigentlich erspähen konnte, von einer Offsideahnung ganz abgesehen, während heute links der Keeper den Abstoss tätig und derjenige auf der rechten Seite in die Handschuhe spuckt. Und alles live zu sehen. In HD!

ph

Sonntag, 27. Mai 2012

Weshalb Manuel Neuer nicht der beste Torwart der Welt ist


Als einstiger Pfostenhalter liegen mir die Goalies rund um die Welt besonders am Herzen. Einen Foster-Flop oder Zubizaretta-Fehlgriff haben alle Fussballer unserer Sondergattung schon mitgemacht. Von daher sei meine folgende Kritik immer mit dem Verständnis eines Mitleidenden geschrieben.


Nein, es sind schlussendlich Bauchgefühl, optische Wahrnehmung und ein klein wenig Objektivität, die mich zu der Behauptung verführen lassen, dass Neuer, 26jährig und einst Mitglied der Ultraecke des Schalker Anhangs, zurzeit nicht zu den Top 5 in Europa zählt.

Wer Bundesliga schaut, der sieht immer mal wieder einen typischen Neuer Aussetzer. Am spektakulärsten mitanzusehen sind diese bei seinen Ausflügen an die Straufraumgrenze und über den Sechzehner hinaus (hier schreitet er durchaus in den breiten Fusstapfen des einstigen Bayernmonsters Kahn), wenn auch hier noch am verzeihbarsten, schliesslich geht ein Goalie, der wie Neuer gerne mitspielt und eine durchaus feine Fusstechnik hat, auch ein höheres Risiko ein, als einer der eher abwartet, ja vielleicht zögert. Nicht immer kann sich Neuer aber beherrschen und zu oft ist er nur gerade knapp und nicht ohne grössere Panik vor dem Angreifer am Ball. Eine schnelle Angriffsauslösung muss nicht zwingend mit einem schlecht getimten Ausflug einher gehen. Okay, wir haben gelernt: grösseres Risiko = mehr Fehler.

Erschreckend zertreut so scheint es, wirkt Neuer jedoch öfter in Sachen Crosses, Flanken und Corner, also bei hohen Bällen. Insbesondere in diesen Gefilden fällt er zurzeit aus Europas führenden Fünf, ja gar Zehn heraus. Auch in der abgelaufenen BuLi  hat sich Neuer hier so manchen Patzer geleistet, nicht jeder führte freilich zu einem Tor, aber so manch einer zu chaotischen Verhältnissen und Konfusion bei seinen Vorderleuten. Hohe Bälle richtig einschätzen gehört zum ABC eines Torwarts, doch nicht immer sind diese Situationen so einfach abzuhandeln, wie es die Trainingssituationen wollen.

Einige seiner Aussetzer 2011/2012: Am allerersten Spieltag versucht Neuer an der Straufraumgrenze einen Ball abzufangen, dieser springt über den 44 Mio. Euro Keeper und De Camargo macht das Siegtor zum 0:1 für Gladbach. Zum Start der Rückrunde spielt Neuer dem Gladbacher Reus den Ball flach in die Füsse (1:0 Führung Gladbach). Beim 1:2 im Spiel Bayern-HSV unterläuft Neuer in der 7. Minute einen Freistoss von der Seite, Son trifft daraufhin zum 0:1. Im Pokalfinale gegen Dortmund irrt Neuer zwei Mal bei Hereingaben im Strafraum herum. Nur ein paar Beispiele einer nicht sonderlich guten Saison für Neuer.



Manuel Neuer ist doch noch jung und er lernt noch dazu! Oder? Jein! Neuer ist 26, ein Torwart der hohe Ansprüche an sich selbst stellt und zweifellos hohe Ansprüche von Fans und Mannschaft zu erfüllen hat -- und er gehört einer Generation von Torhütern an, die längst über ausgeprägte Spielerfahrung verfügt, national und international: Hugo Lloris, Joe Hart, Steve Mandanda, Salvatore Sirigu etc. Und er bekommt kräftig Druck im eigenen Land von talentierten Pfostenstehern wie Ron Robert Ziegler oder ter Stegen. Ausserdem gibt es noch immer einige alte Haudegen wie Gigi Buffon, Shay Given, Petr Cech und Iker Casillas (ja, der Spanier ist auch bereits 31...), die Neuer hie und da noch in den Schatten stellen. So oder so, mit 26 sollte und müsste ein Torwart zweifelsohne ausgelernt sein.

Nein, fehlerlos ist keiner der Genannten, wer will und kann schon diesen Anspruch an einen Torhüter stellen? Vielleicht auch nicht immer talentierter als Neuer, aber grosses Talent alleine schützt vor Patzern nicht und noch fehlt (mir) eine Neuer Saison, in der er vor allem überragend war. Fussballerfloskel Nr. 23: Im Rampenlicht steht man als Keeper immer und Fehler werden keinem anderen Fussballer so ungerne verziehen. Wie er sich an der Euro 2012 schlagen wird, wissen wir spätestens am 1. Juli. Um erfolgreich abzuschliessen, ist er allerdings auch auf eine stabilere Abwehr angewiesen als sie Löws Team derzeit stellt! Plus er sollte tunlichst die Neuer-Patzer vermeiden. 



ph

Samstag, 26. Mai 2012

Von Todesgruppen und hohem Druck

Wie vor 2 Jahren während der Fussball-WM in Südafrika, versuche ich auch dieses Jahr einen täglichen Blog während der Euro 2012 zu schalten. Ob das Unterfangen gelingt und die Augen nach allabendlichem Couchtschutten auch am nächsten Tag noch genug viereckig sind um am widescreen-Mac Titel, Thesen und Temperamente einzutippen? Ich habe fleissig trainiert und 2 Saisons französischen Ligue 1 Fussball mit irgendwas um die 250 Spiele hinter mir!

Sicherer jedenfalls ist, dass einige Teams mehr unter Druck stehen als der Blogautor, natürlicherweise. Spanien wird wohl von den Favoriten am wenigsten Druck spüren, die Fussballnation Nr. 1 hat an den letzten beiden Grossanlässen abgeräumt, ein weiterer Titel wäre wirklich sowas wie eine Zugabe.

Bei Deutschland sieht es etwas anders aus, da erwartet ein ganzes Land (ein ganzes Land? Nein, denn... aber lassen wir die Gallier wo sie hingehören) endlich wieder einen Titel, insbesondere nach den letzten Titelspielen an WM und EM (2006 Halbfinale, 2008 Finale, 2010 Halbfinale). Hält die junge Mannschaft stand? Und insbesondere: Hält die wacklige Innenverteidigung stand - die Achillesferse der Deutschen.

Die Niederlande. Die Mannschaft ist merklich älter geworden. Aber auch reifer? Im Fussball verrückten Land sehnt man sich nach dem EM Sieg 1988 nach dem Pokal und nach dem grausligen Auftritts im Finale 2010 gegen Spanien nach Wiedergutmachung.

Beide eben erwähnten Teams treffen in der "Todesgruppe" B aufeinander und dort auch noch auf Portugal und den (nicht zu unterschätzenden) Aussenseiter aus Dänemark.

Diese drei Mannschaften (ESP, GER, NED) werden so oder so als meistgenannte Aspiranten auf einen Halbfinaleinzug geführt.

Mächtig Druck verspüren werden die Gastgeber Polen und Ukraine (ich weiss wovon in rede, die EM 2008 steckt noch in den heimischen Knochen...). Erstere noch mehr als letztere, jedenfalls anhängermässig. Politisch könnte es freilich umgekehrt sein.

Und wie sieht es mit Frankreich, England und Italien aus? Naja. Frankreich schlurft auch mit Laurent Blanc eher so dahin, obwohl sie sich als Gruppenerste qualifiziert haben, aber es sind einige vielversprechende Leute im Team wie Benzema oder Giroud von Meister Montpellier. Und bleiben Verletzungshexe und Teamstreik aus, wer weiss?!

England erholt sich immer noch vom Capello-Debakel. Nachdem der Italiener das Handtuch geschmissen hat und Oldie Roy Hodgson sein Amt übernahm, fragen sich einige ob A. Young, Hart und Rooney wirklich up and ready für ein grosses Turnier sind.

Italien wurde so selten wie kaum zuvor als möglicher Favorit genannt. Vielleicht macht sie das bissiger als auch schon? Und in unserem südlichen Nachbarland wird die Erwartung sowieso eine andere sein.

Seit Russland seine Meisterschaft endlich dem Europäischen Fussballzirkus angepasst hat, könnte auch da mal wieder was gehen. Talent haben die Ostblocker auf alle Fälle und Zuschauerunterstützung sollte dank Putins Wahlversprechen, jedem, der sich das Flugticket nicht leisten könne, ein solches zu bezahlen, garantiert sein... man stelle sich die Aufschreie bei unsereins vor!

In 2 Wochen wissen wir schon ein bisschen mehr. Oder auch nicht.

ph