Freitag, 1. Juni 2012

Drei Löwen für Roy


Ich gebe es zu, als Roy Hodgson kürzlich mit dem Amt des Teamcoaches bei den Three Lions bedacht wurde, wurde mir etwas schwindelig. Nachdem Capello aus der Captainaffäre den Schlussstrich zog, wurde dem vielfachen Wunschkandidaten Harry Redknap (Tottenham Hotspurs) nun doch Roy Hodsgon vorgezogen. Als Miteidgenosse müsste man bei der Ernennung Hodgsons ja eigentlich hoch jauchzen, himmelhoch, immerhin hat der Brite die Schweizer Nati nach Jahrzehnten des Trübsal blasens 1994 an die WM in den USA geführt, wo die Schweizer bis zum Achtelfinale toll gespielt hatten – 2 Jahre später qualifizierte sich das Team auch noch für die EM. Doch das ist nun 16 bzw. 18 Jahre her und das Palmares von Hodgson danach sieht zwar beeindruckend aus, war es aber nicht. Zumeist war nach einem oder zwei Jahren schon wieder Schluss und Teams wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Viking Stavanger oder Finnland zählen jetzt nicht gerade zu denjenigen, die für einen höheren Job qualifizieren. Und erfolgreich war er bei den Grossen mit einer Ausnahme nicht.

Ausserdem tritt er ein schweres Erbe an. Zwar hat Capellos Elf an der WM in Südafrika alles andere als einen tollen Auftritt hingelegt, aber die Quali dazu und zur Euro 2012 waren schon sehr beeindruckend.

Nun ist der 64 jährige also Englands Coach, doch reicht eine Vorbereitungszeit von nur wenigen Wochen in denen sich Team und Coach kennenlernen können, von einimpfen einer Spielphilosophie und eigenen Ideen abgesehen? Ein paar Testspiele und ein paar Verletzungen (Barry, Lampard) später, wird man noch nicht viel mehr wissen, der Auftritt an der EM entwickelt sich also zum Ü-Ei. Immerhin gelten die Three Lions nirgends als Turnierfavorit und selbst in England ist man nicht sonderlich überzeugt.

Auch ich bin es nicht und so hat die Nomination Hodgsons doch für einen leichten Seitenstich in meiner Englandseele gesorgt. Mit der richtigen Atemtechnik, sprich einem guten Auftritt gegen les bleus am ersten Spieltag von Gruppe D, könnte dieser vielleicht doch noch verfliegen. Aber ob es endlich wieder nach ganz vorne reichen wird, das steht mehr denn je in den Sternen.  

ph

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