Ich gebe es zu, als Roy Hodgson
kürzlich mit dem Amt des Teamcoaches bei den Three Lions bedacht
wurde, wurde mir etwas schwindelig. Nachdem Capello aus der
Captainaffäre den Schlussstrich zog, wurde dem vielfachen
Wunschkandidaten Harry Redknap (Tottenham Hotspurs) nun doch Roy
Hodsgon vorgezogen. Als Miteidgenosse müsste man bei der Ernennung
Hodgsons ja eigentlich hoch jauchzen, himmelhoch, immerhin hat der
Brite die Schweizer Nati nach Jahrzehnten des Trübsal blasens 1994
an die WM in den USA geführt, wo die Schweizer bis zum Achtelfinale
toll gespielt hatten – 2 Jahre später qualifizierte sich das Team
auch noch für die EM. Doch das ist nun 16 bzw. 18 Jahre her und das
Palmares von Hodgson danach sieht zwar beeindruckend aus, war es aber
nicht. Zumeist war nach einem oder zwei Jahren schon wieder Schluss
und Teams wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Viking Stavanger
oder Finnland zählen jetzt nicht gerade zu denjenigen, die für
einen höheren Job qualifizieren. Und erfolgreich war er bei den
Grossen mit einer Ausnahme nicht.
Ausserdem tritt er ein schweres Erbe
an. Zwar hat Capellos Elf an der WM in Südafrika alles andere als
einen tollen Auftritt hingelegt, aber die Quali dazu und zur Euro
2012 waren schon sehr beeindruckend.
Nun ist der 64 jährige also Englands
Coach, doch reicht eine Vorbereitungszeit von nur wenigen Wochen in
denen sich Team und Coach kennenlernen können, von einimpfen einer
Spielphilosophie und eigenen Ideen abgesehen? Ein paar Testspiele und
ein paar Verletzungen (Barry, Lampard) später, wird man noch nicht
viel mehr wissen, der Auftritt an der EM entwickelt sich also zum
Ü-Ei. Immerhin gelten die Three Lions nirgends als Turnierfavorit
und selbst in England ist man nicht sonderlich überzeugt.
Auch ich bin es nicht und so hat die
Nomination Hodgsons doch für einen leichten Seitenstich in meiner
Englandseele gesorgt. Mit der richtigen Atemtechnik, sprich einem
guten Auftritt gegen les bleus am ersten Spieltag von Gruppe D,
könnte dieser vielleicht doch noch verfliegen. Aber ob es endlich
wieder nach ganz vorne reichen wird, das steht mehr denn je in den
Sternen.
ph

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