Sonntag, 1. Juli 2012

Campeones, Campeones...


Casillas, unbezwingbar im Finale!

Es ist vollbracht – und es ist der Wahnsinn. Die Spanier sind, wir wissen es seit gestern Nacht, unumstritten die Nr. 1 der Welt seit 4 Jahren. Und sie dürfen es noch 2 weitere bleiben. Wenn einem die Italiener auch leid tun konnten (vielleicht sind sie dieses Mal die Sieger der Herzen???), aber was Iniesta, Xavi, Silva & Co. gestern zauberten, war einfach ein absoluter Fussballhochgenuss.

Vielleicht 10, 15 Minuten in der ersten Halbzeit hatte man das Gefühl, das Italien an die brillante Leistung gegen Deutschland würde anknüpfen können. Doch so schnell das Gefühl kam, so schnell war es auch wieder vorbei. Dann das Pech mit den Auswechslungen nach der Pause (die Verletzung von Thiago Motta kaum stand er 3 Minuten auf dem Platz), das Bollwerk Chiellini nach 21 Minuten verletzt. Und zu zehnt gegen solche Spanier? Keine Chance! Nicht die Bohne.

Wer das Spiel der Spanier als langweilig empfand, der weiss nicht welche Qualität es braucht solchen Fussball zu spielen. Es ist ein Spiel, das den Gegner aufbraucht, der dem Ball ständig hinterher rennen muss. Ein geduldiges, technisch hochstehendes Spiel – und ein Spiel dem die Spanier treu bleiben, so oder so. Nur Italien, im ersten Gruppenspiel und Portugal in den ersten 90 Minuten des Halbfinals konnten mithalten. Deutschland scheiterte an sich selber und einem besseren Gegner. Holland scheiterte ebenfalls an sich selber, nur noch viel früher. Russland schaffte es wieder einmal nicht. Frankreich ist einfach noch nicht soweit. England fehlt es an spielerischer Klasse. Portugal war nahe dran. Italien ist zurück und man kann ihnen nur wünschen, dass sie sich von dieser Niederlage schnell wieder erholen.

Doch Spanien bleibt Spanien. Eben, Campeones.

Danke allen fürs Mitlesen und bis in zwei Jahren!

Finaltag


Um den geht es!

Spanien-Italien. Auf der einen Seite das erfahrene, erfolgreiche Team, die Furia Roja, Europameister 2008, Weltmeister 2010 und 2012? Ihr Tikitaka treibt einige Zuschauer zur Weissglut und den Gegner dazu, sich dermassen zu verausgaben (übrigens der Grund dieser Spielweise!), dass plötzlich der entscheidende Stich gesetzt wird.

Spanien regiert seit 4 Jahren die Fussballwelt. Ihr Fussball ist für andere Teams nicht nachzuahmen, weil sie nicht über das technisch geniale Spielermaterial verfügen. Ihr Finalgegner, Italien, hat ihnen im Gruppenspiel aber ganz hervorragend Paroli geboten, ähnlich wie es die Portugiesen im Halbfinal getan haben. Spanien ist also nicht unschlagbar, vor allem auch weil ihnen der Druck aufs Tor abgeht, der sie vor 4 Jahren ausgezeichnet hat. Auf der anderen Seite Italien, das ganz Europa mit flottem Offensivfussball überrascht hat und sich weitaus verdienter als an der WM 2006 ins Finale gespielt hat. Wichtig wird sein, dass sie ihre Torchancen nützen, die Italiener, eine Spitze mit Balotelli, ein offensiver Passgeber mit Cassano und vielleicht ein Pirlo in Topform, sollten, ja müssen dafür sorgen können. Spanien dürfte wohl wieder mit Fabregas ganz vorne, also ohne nominellen Stürmer, antreten.

Im Tor haben wir ein Duell der ganz Grossen: Casillas, vierfacher Welttorhüter und seit 2002 der absolute Rückhalt für Spanien und ein absoluter Sympathieträger. Buffon, der gran signore im Tor der Italiener, der mit famosen Leistungen den Azzuri das Weiterkommen ermöglicht hat.

Nur ein Land (plus ein paar Anhänger weltweit) wird am Ende jubeln, beiden ist es zu gönnen. Vielleicht liegt das Momentum bei den Italienern, dafür aber auch einiges mehr an Druck, denn plötzlich steht man im Finale, kann das vorher unmögliche geglaubte schaffen. Spanien andererseits muss nicht mehr, die dürfen einfach nochmals gewinnen.

Spruch des Tages: "Wir haben nicht gut gespielt und sind unverdient ausgeschieden." Marcel Jansen, unter Löw an 2 Grossanlässen dabei, im Sport 1 EM-Doppelpass.

Viel Spass beim Finale der Euro 2012!

Samstag, 30. Juni 2012

Statistiktag


Zwar ist sie noch nicht ganz vorbei, die Euro 2012, doch nehmen wir uns am Tag vor dem grossen Finalspiel kurz Zeit für ein paar interessante und aussagekräftige Statistiken (Quelle: uefa.com):

Schüsse aufs Tor:
1. Italien: 55 (11 pro Spiel)
2. Spanien: 49 (9.8)
3. Frankreich: 37 (9.25)

Ballbesitz gesamt:
1. Spanien: 60%
2. Russland: 56%
3. Deutschland: 56%

Erlittene Fouls:
1. Spanien: 18,6 pro Spiel
2. Italien: 16
3. Griechenland, Ukraine: 16

Begangene Fouls:
1. Koratien: 20,33 pro Spiel
2. Polen: 18,67
3. Tschechien: 18,5

Spieler: Versuche aufs Tor
1. Ronaldo: 15
2. Balotelli: 14
3. Iniesta: 13

Spieler: Begangene Fouls
1. Baros: 16
2. Balotelli: 14
3. Nani: 13

Spieler: Erlittene Fouls
1. Arbeloa: 17
2. Karagounis: 16
3. Lewandowski: 16

Spiele: die meisten Fouls
1. Portugal-Spanien: 52
2. Tschechien-Polen: 42
3. Friechenland-Tschechien: 40

Spiele: Angekommene Pässe
1. Spanien-Frankreich: 76%
2. Spanien-Irland: 76%
3. Dänemark-Deutschland: 76%


Donnerstag, 28. Juni 2012

Der Favorit ist tot, es lebe der... "Favorit"?


Wie kommt man ins Finale? a) entweder man schiesst Tore oder b) bekommt hinten keins rein. a) hat Italien erfüllt. b) Spanien auch.

Deutschland ist raus. Zum ersten Mal an dieser EM bekamen sie es mit einem Gegner zu tun, der zuerst das Tor schoss, der ihnen auch danach die Stirn bot und der die Achillesferse der Deutschen Mannschaft, die Abwehr mit dem bis dahin starken Hummels und dem insgesamt einfach nicht auf internationalem Niveau genügenden Badstuber austestete und die Limiten aufzeigte. Ja Italien hätte gar 4:0 führen müssen ehe der Penaltypfiff kam. Die Deutschen waren gestern zu statisch, zu naiv, zu wenig abgeklärt. Aus die Maus und wieder nur mit einem Blumentopf nach Hause.

Grande fiesta dafür bei Italien, bei denen Pirlo tanzte und Balotelli schlicht und einfach das tat, was ein Stürmer zu tun hat. Tore schiessen – und was für welche! Aber, und jetzt das kleine aber: Solche 90%igen Chancen (es gibt nach wie vor keine 100%igen!) wie in der zweiten Hälfte dürfen sie nicht auslassen, wenn sie Europameister werden wollen. So oder so, es dürfte ein tolles Spiel werden am Sonntag.

Fernsehbild des Tages: Ein weiblicher Fan (wohl der Sorte „ich schau nur Fussball wenn Deutschland spielt und sowieso nur an einem Grossanlass“) in Deutschen Farben, vergoss schon nach dem ersten Tor von Balotelli eine dicke Träne. Vorahnung oder null Ahnung?

L. Matthäus musste sich heute nacht auch noch ins Interviewbild drängen und hat irgendwas von sich gegeben. Aber es war so wie immer, man wusste schon 3 Minuten später nicht mehr was Lodda gesagt hatte.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Halbfinal 2


Nachlese
Die 30 Minuten in der Verlängerung waren die besten des Spiels, hier hatten die Spanier klar die Nase vorn. Spannende, taktisch geführte erste Hälfte mit den besseren Chancen für Spanien, aber die Portugiesen haben es hervorragend gemacht und die Räume im Mittelfeld und beim Spielaufbau der Spanier gut zugestellt. Der Schweizer Kommentator, Sascha Ruefer, hat's wiedermal nicht begriffen. Die zweite Hälfte dann deutlich schwächer, härter, vorsichtiger. Schliesslich ab zum Elferschiessen. Alves an die Latte, Fabregas an den Innenpfosten und von da ins Tor!



Deutschland – Italien

Vor der EM: Klarer Favorit gegen Aussenseiter. Nach 4 Spielen: 60/40… oder gar 55/45?
Italien hat sich gemacht. Das erste Spiel gegen Spanien war gut, insbesondere die erste Hälfte. Danach ging’s ein wenig zäher zu und her. Doch gegen England spielte Italien wieder einen gesunden Offensivfussball. 64% Ballbesitz und 20:4 Torschüsse (davon 15 auf das Tor des starken Joe Hart), das war überzeugend. Wenn jetzt Balotelli aus seinen Chancen auch noch Profit schlagen könnte, ja dann…!? Plus ein Pirlo in Hochform und ein starker Buffon in seinem letzten (?) Turnier.

Deutschland seinerseits ist die einzige im Turnier verbleibende Mannschaft, die jedes ihrer Spiele gewinnen konnte. Nicht immer überzeugend, aber dennoch! Deutschland ist und bleibt der Favorit auf den Titel, doch was wenn der Druck zu gross wird, wenn Deutschland plötzlich 0:1 hinten liegt und die Zeit verrinnt? Noch mussten die Deutschen diese Situation nicht bewältigen. In der Offensive liegt nach wie vor ihre grosse Stärke – und dank Hummels haben sie auch in der Verteidigung einen bisher sicheren Rückhalt. Was passiert mit Schweinsteiger, der ausser zwei tollen Pässen für Gomez einfach nicht auf Touren kommt? Kommt Kroos? Spielt Gomez oder doch Klose?

Heute Abend also einer der ganz grossen Klassiker des Fussballs. Auf ein tolles Spiel!

Halbfinal 1

Portugal - Spanien


Iniesta: Klein aber oho!
Ein Duell auf Augenhöhe, zumindestens was ihre fussballerischen Fähigkeiten anbelangt: Christiano Ronaldo gegen Andres Iniesta. Auf der einen Seite der pfeilschnelle, kopfballstarke, extrovertierte Superstar mit dem unberechenbaren Schuss. Auf der anderen Seite der kleine Dribbler mit der grossen Übersicht und dem tödlichen Pass.

Ronaldo hat nach einem harzigen Beginn schliesslich doch noch ins Turnier gefunden, Iniesta hat sich den bisherigen Leistungen der spanischen Mannschaft nahtlos angeschlossen: Mal auf, mal ab. Gut möglich, dass die Tagesform der beiden das Spiel heute zu Gunsten ihrer Mannschaft entscheiden kann. Iniesta immerhin kann die Verantwortung immer noch auf die Schultern, oder besser Füsse, seiner Kollegen Xavi oder Silva legen. Bei Ronaldo wird‘s da schon schwieriger. Vor allem Tore mässig benötigt es zumeist den Riecher Ronaldos – und das ist somit eine der Schwächen der Mannschaft.

Eine der Schwächen Spaniens scheint bei diesem Anlass die „Launenhaftigkeit“ des Teams, das Fehlen des entscheidenden Passes und die nicht besonders sattelfeste Verteidigung. Was wenn sie mal wirklich auf die Probe gestellt wird? Bisher war auf Iker Casillas Verlass, aber man sollte sich nicht nur auf seinen Torhüter verlassen müssen. Doch um die Spanier in Schwierigkeiten bringen zu können, braucht es auch einen etwas ausgeglicheneren Ballbesitz. Wer weiss wie und ob die Portugiesen diese schwierige Aufgabe händeln können? Machbar ist es, alleine die Umsetzung ist nicht ganz so einfach.

Spannend dürfte es so oder so werden und wahrscheinlich wird ein frühes Tor dem Spiel (Fussballfloskel Nr. 26!) gut tun.

Viel Spass mit Halbfinal Nr. 1!

Dienstag, 26. Juni 2012

Pöt-pööööt


Fussballbegeisterung hat ihre speziellen Auswüchse, insbesondere in einem Land, das keinen Teilnehmer an einem Grossanlass stellt. Vor 2 Jahren durften wir in Südafrika nach dem richtig eidgenössisch erkämpften 1:0 gegen Spanien „Freude herrscht“ vermelden. Danach war Aus die Maus. Vor 4 Jahren in an der Euro im eigenen Land hatten wir eher wenig zu jubeln und nach dem unwichtigen dritten Gruppenspiel kam eigentlich wenig Freude auf. Zu spät…

Nun ist es so, dass wir in der Schweiz einen schönen Anteil an Italienern, Spaniern, Portugiesen und Deutschen haben. 18,9% der ständigen ausländischen Bevölkerung sind Italiener, 11,2% sind aus Portugal und Deutschland, 4,4% aus Spanien. Nicht enthalten sind hier die Eingebürgerten und in erster, zweiter und dritter Generation in der Schweiz lebenden. Man spricht im Amtsdeutsch von Migranten. 

Mit fortlaufender Dauer eines fussballerischen Grossanlasses nimmt auch die Feierbegeisterung der Fans dieser Länder zu und so ist nach jedem gewonnen Spiel in den kleineren und grösseren Städten stets ein mehr oder weniger ausuferndes pöt-pöööt in den Strassen zu vernehmen. Zuletzt (und völlig berechtigt...) war das in der Nacht vom Sonntag so, als Italien England im Penaltyschiessen bezwang.

Ich finde diese Art des Feierns, die Spanienfans übrigens versammeln sich jeweils auf dem Parkplatz des Hauptbahnhofes (ich weiss das, weil ich auch schon dabei war!), sympathisch! Hupende Autokorsi gehören irgendwie dazu zu einem grossen Fussballturnier. Allerdings gibt es immer Mitbürger, die sich immens darüber aufregen, seitenlange Leserbriefe in Zeitungen oder neumodischer kurze, stinkwütige SMS an die Redaktionen schreiben. Da sind wir dann wieder sehr schweizerisch. Ausser wir sind selber dabei und gewinnen. Natürlich! Aber das ist ja auch was ganz anderes. Plus: Das alles ist doch gesünder als bei jenem Chinesen, der nach 11 Tagen mit Euro-Guckerei in der Nacht und Arbeit am Tag an Erschöpfung starb.
Oder?

Übrigens: An der kommenden Olympiade nimmt auch ein Schweizer Team am Fussballturnier teil. Nur interessiert das eigentlich niemanden.